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Ihre Gründung erfolgte am 20. Juli 1699 als Schützenbruderschaft, die das Scheibenschießen übte. Die Stiftungsurkunde mit diesem Datum wurde von 70 Bürgern aus dem Lollfuß ("lolld Fuess") unterschrieben. 1702 wurde die Gildegründung vom Gottorfer Amtmann Friedrich von Rantzau bestätigt und am 7. Mai 1705 als Schützen- und Brandgilde bekannt gemacht.
Dem alljährlichen Scheibenschießen folgte nunmehr ein "Vogelschießen". Das allererste Vogelschießen wurde im Jahr der Bestätigung, 1705. abgehalten und der erste Schützenkönig war der damalige Amtmann Geheimrat Christian August von Berkenthin. Er stiftete einen Silberschild, der mit denen, die später kamen an der schweren silbernen Kette getragen wurde, die 1710 vom damaligen Schützenkönig, Baron von Goertz, der Gilde geschenkt wurde.
1706 erhielt die Gilde ein Privileg der Steuerfreiheit für den jeweiligen Schützenkönig und eine Befreiung von Schatzung und Einquartierung. Leider hat sich diese Vergünstigung nicht bis in die heutige Zeit erhalten.
Ein anderes, königliches Geschenk ist aber noch heute in unserem Besitz, unsere Schützenkoppel. Sie wurde uns 1732 von dem König-Herzog Christian VI. geschenkt. Auf dieser hoch über Stadt und Schleital gelegenen Koppel wurde dann die 22m hohe eiserne Vogelstange errichtet.
Der königliche Stifter hatte 1743 die Würde eines Schützenkönigs inne, nachdem zuvor der Kammerherr von Thienen für ihn den Königsschuß abgegeben hatte. So war das damals noch, heute muß jeder Schütze sich selbst bemühen, den Vogel herunter zu holen.
Ein großer Wohltäter und eifriger Besucher der Lollfußer Schützenfeste war der bürgernahe Landgraf von Hessen. Herzog Carl von Glücksburg, sowie Herzog Friedrich VIII., Vater der letzten deutschen Kaiserin, waren Ehrenmitglieder der Lollfußer Gilde.
Nicht nur der Adel hatte mit der Gilde zu tun, auch Bürgermeister und Rat der Stadt regierten in die Gilde hinein. Diese verboten 1758 und 1801 die Abhaltung eines Schützenfestes bei 50 Thalern Strafe und Verlust der Steuerfreiheit des Königs. Der Grund: wegen Kriegsgefahr, Teuerung und schlechter Zeiten!
Im Jahre 1840 stiftete der damalige Schützenkönig Justizrat Triller den schönen, noch heute benutzten Ältermannstab.
1848 stiftete die Gilde 40 Thaler als Beitrag zur Gründung der Deutschen Flotte. Den gleichen Betrag gab sie zur Unterhaltung der Bürgerwehr. Die im gleichen Jahr eröffnete Schleswiger Realschule erhielt 25 Thaler und ab 1853 einen jährlichen Unterstützungsbetrag von 40 Thalern.
Zum Schützenfest 1865 hatte die Gilde eine blau-weiß-rote Fahne beschafft und 1873 stiftete Herzog Carl von Glücksburg unser wunderschönes silbernes Trinkhorn; er war 1869 Schützenkönig. Zum 200-jährigen Bestehen erhielt die Gilde 1899 von den Frauen der Gildebrüder eine handgestickte Fahne mit dem Schleswiger Stadtwappen.
Alle Gildeakten und alle Silbersachen seit der Gründung sind bis heute erhalten. Ein Teil der Silbersachen wird im Stadtmuseum aufbewahrt, die Originale der Gildeakten bewahrt das Landesarchiv im Prinzenpalais.
Obwohl die Lollfußer Gilde die jüngste unter den Gilden in der Stadt ist, ist sie stets traditionsbewußt, heimattreu und lebendig geblieben, aber leider auch am wenigsten begütert. Trotzdem war es die Lollfußer Gilde, die nach dem Zusammenbruch 1945 als erste zusammentrat und 1949, anläßlich ihres 250-jährigen Bestehens das erste Schützenfest nach dem Krieg in der Stadt ausrichtete.
Es durfte nur mit der Armbrust nach dem Vogel geschossen werden und es hat ziemlich viel Mühe und längere Zeit erfordert, den Vogel von der Stange zu holen. Dieses Fest verlief in harmonischer Weise als großes Volksfest und es brachte Tage unvergeßlichen Erlebens in Anknüpfung an die überlieferten Traditionen und die damit verbundene Heimattreue.
Die drei Gilden in unserer Stadt wetteifern um die Gunst der Bürger und um neue Mitglieder. Sie sind sich aber immer einig, wenn es um das Wohl aller Gilden und um das Wohl unserer Heimatstadt Schleswig geht.
Zeugnis dieses Zusammenhalts war z.B. die Anschaffung gemeinsamer Zelte und 1955 das Bemühen aller Gilden, die Bebauung der Schützenkoppel zu verhindern. Letztes Zeugnis schöner Gemeinsamkeit war 1999 die 300-Jahrfeier unserer Gilde, als in schöner Einigkeit alle drei Gilden an einem Festakt im Dom teilgenommen haben.
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